Sternstunde im Kulturleben der Stadt

OSTFILDERN: Filderharmonie bietet mit dem Solisten David Schultheiß ein beachtliches Konzert

Es ist immer dasselbe Lied: Droht in den öffentlichen Kassen Ebbe, wird die Kultur beschnitten. Getroffen hat es auch die Filderharmonie, seit Jahren das Orchester der Stadt Ostfildern. Zum Jahresbeginn wurden die städtischen Zuschüsse auf ein Minimum begrenzt, das nicht einmal zum Kauf der Noten reicht. Dirigent Alexander Burda bangt um den Fortbestand des Sinfonieorchesters: „Gibt es auch von privater Hand keine Unterstützung, droht das Aus“. Wie soll man unter solch schwierigen Bedingungen den Orchesterbetrieb aufrechterhalten, wie kann man auch künftig so großartige und international bekannte Solisten wie David Schultheiß nach Ostfildern holen? Diesmal hatte das Auditorium im ausverkauften Nellinger Theater an der Halle noch Glück, denn der erste Konzertmeister des Bayerischen Staatsorchesters München war schon länger verpflichtet. Schultheiß sorgte für eine Sternstunde im Kulturleben der Stadt, profilierte sich in Johannes Brahms' Konzert für Violine und Orchester D-Dur als Künstler, der die Musik zum Sprechen brachte, den Spagat zwischen Erzählkunst und Emotion spielend schaffte. Dabei schrieb Brahms kein Virtuosenstück im traditionellen Sinn, sondern ein Violinkonzert, bei dem Solist und Orchester in enger Verflechtung zu gleichen Teilen die musikalische Substanz tragen.

Schultheiß löste sich immer wieder aus dem Klang der prächtig begleitenden Filderharmonie, setzte neben Passagen voll zündender Verve auch fein schattierten Schmelz. Mit nervigem, jedoch stets edlem Ton spielte er sich scheinbar mühelos durch die halsbrecherischen Schwierigkeiten des Notentextes, servierte die Kadenz mit agogischer Brillanz und legte im Adagio eine Tonspur von geradezu ätherischer Schönheit. Im Finale betonte Schultheiß das virtuose Element: Technisch makellos, geschmeidig in der Bogenführung und mit hohem Spannungspotenzial.

Ludwig van Beethovens 1814 uraufgeführte achte Sinfonie F-Dur ist von Heiterkeit und Lebensfreude geprägt, ist kontrastreich und voll zündender Ideen. Damit war sie der geeignete Prüfstein für die tüchtigen Amateurmusiker der Filderharmonie. Alexander Burda sorgte im Kopfsatz mit recht eckigem Dirigat für kantiges Profil, das Allegretto scherzando perlte locker dahin und im Menuett ging es burschikos zu. Ein deutlich gebremstes Tempo sorgte im finalen Allegro vivace für technische Sicherheit: In Toto gelang eine sehr beachtliche Orchesterleistung, dynamisch gestuft und mit logisch angesteuerten klanglichen Höhepunkten.

Eingangs erklang die Ouvertüre zu Wolfgang Amadeus Mozarts bedeutendstem Bühnenwerk „Die Zauberflöte“. Mit Begeisterung und Können setzte die Filderharmonie diese herrliche Musik um, die Fugentechnik und Sonatenform genial miteinander verknüpft. Alexander Burda baute mit langen Pausen zwischen den einleitenden Akkorden Spannung auf, sorgte für Präzision im Fugato und ließ die Bläser ihre klangschön gestalteten Soli frei ausspielen.

Artikel vom 04.04.2011 © Eßlinger Zeitung von Rainer Kellmayer.