Bild von Emanuel Pavlic und Daniela Zimmer

Spaniens Sonne am Muttertag

Draußen ist es ungemütlich und regnerisch gewesen, innen im Theater an der Halle in Nellingen ist die Sonne aufgegangen. Das Publikum im nahezu ausverkauften Saal erlebte mit dem Symphonischen Orchester Ostfildern unter der Leitung von Alexander Burda mit seinen herausragenden Solisten ein grandioses Konzert zum Muttertag.

Das Orchester eröffnete mit Ottorino Respighis Suite aus dem Jahr 1917 das Konzert. Respighi gilt als einer der führenden Vertreter der neueren italienischen Instrumentalmusik. In seiner Komposition Antiche danze ed arie griff er auf Kompositionen des 16. und 17. Jahrhunderts zurück und arrangierte sie für ein zeitgenössisches Orchester um. Genau diese Tonsprache machte den Reiz dieses Werkes aus. Fein ausgearbeitete, zarte Ritardandi wechselten mit wuchtigen Einsätzen der Blechbläser, ruhige Pizzicato-Passagen in den Streichern wurden von schwebenden Klängen der Harfe überstrahlt.

Alexander Burda dirigierte sparsam. Es ist gut, Verantwortung abzugeben und zu erleben, was vom Orchester kommt, schwärmte der Orchesterleiter.

Das Doppelkonzert d-Moll von Johann Sebastian Bach zeigte Daniela Zimmer und Emanuel Pavlic als großartige Solisten. Das Orchester trug dieses Werk stehend vor. Man könne sich so mehr der Musik hingeben und es sei außerdem historisch verbrieft, dass früher die Konzert im Allgemeinen stehend gespielt wurden, erläuterte der Dirigent. Es war ein Genuss, die drei Sätze dieses Konzerts zu erleben.

Die Oboistin Daniela Zimmer faszinierte mit einem hinreißenden Ton und einer herrlichen Phrasengestaltung. Emanuel Pavlic spielte seine Geige wunderbar weich und traumwandlerisch präzise. Beide Solisten kommen aus den Reihen des Orchesters, berichtete der Dirigent.

Der Auftritt des Mexikaners Israel Vázquez Zerecero, der zusammen mit dem Orchester das Concerierto di Aranjuez von Joaquin Rodrigo aufführte, ließ im Konzertsaal vollends die Sonne aufgehen. Mit jubelnden Gitarrenklängen entführte der Virtuose das Publikum in spanische Gefilde. Der international gefeierte Gitarrist überzeugte auf der ganzen Linie. Seine wirbelnden Finger nahmen das Allegro con spirito mit seinem 6/8-Takt mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit.

Israel Vázquez spielte alles auswendig und wusste die klagenden Passagen im Adagio ebenso gefühlvoll zu gestalten wie das heitere Allegro gentile mit seinen verschiedenen Rhythmus- und Taktwechseln. Das Symphonische Orchester nahm sich immer wieder gekonnt zurück, um ihm den nötigen Freiraum zur Gestaltung seines Spiels zu geben. Tosender Applaus und begeistertes Füßestampfen beendeten ein faszinierendes, abwechslungsreiches Konzert.

Von Peter Eltermann, © Eßlinger Zeitung, 16.05.2017